Ich schwitze aus verschiedenen Gründen

7 10 2008

Am nächsten Morgen oder besser Vormittag steht plötzlich Antje neben meinem Bett. Sie gehe jetzt zum Strand, und ich solle doch nachkommen. Obwohl es sehr angenehm ist, mit einem Blick aus einem der womöglich schönsten Augenpaare der Welt geweckt zu werden, ziehe ich es vor, mich noch einmal umzudrehen.

Nachdem ich mich im Laufe des Nachmittages halbwegs regeneriert habe, gehe ich zu Fuß nach Jaffa, einer der ältesten Städte der Welt. Ursprünglich von Kanaanitern bewohnt, eroberten zuerst die Makkabäer, später die Römer die Stadt. Unter Konstantin dem Großen wurde Jaffa Bischofssitz, 636 fiel Kalif Omar dort ein, 1099 eroberten die Kreuzritter es zurück. 1268 nahmen die Mamelukken den Kreuzfahrern Jaffa wieder weg. Dann blieb es einige Jahrhunderte ruhig, bis Napoleon sich 1799 Jaffa holte – jedoch nur bis 1832, als die Ägypter die Stadt einnahmen und sie ab 1841 wieder zum Osmanischen Reich gehörte. Die osmanische Vergangenheit sieht man Jaffa an, bisweilen wähnt man sich in Istanbul. Von der kriegerischen Vergangenheit ist allerdings nichts mehr zu spüren. Es ist ein pittoresker Ort mit Märkten, Galerien, Museen und Restaurants. Und vielen Katzen auch hier. Obwohl es bereits dunkel geworden ist, schwitze ich wie nicht gescheit und brauche dringend ein Bier.

Jaffa

Jaffa

Die Skyline von Tel Aviv, von Jaffa aus gesehen

Die Skyline von Tel Aviv, von Jaffa aus gesehen

Da meine umgetauschten Schekel allmählich zur Neige gehen, will ich auf meinem Mitternachtsspaziergang noch Geld vom Automaten der Bank Leumi abheben. Doch der Automat gibt mir nicht nur kein Geld, sondern behält auch gleich meine Karte ein. Und ich hatte mich so auf einen entspannten Tagesausklang und einen ebenso entspannten Vormittag gefreut, an dem es nach Jerusalem weitergehen soll. So mache ich mich am nächsten Morgen zur Bank Leumi auf, pünktlich zur Öffnungszeit um 8 Uhr 30. Vor der Tür hat sich schon eine Schlange gebildet, oder was heißt Schlange, eher ein Knubbel. Die Neuankömmlinge versuchen sich möglichst weit nach vorne zu drängeln, was von den bereits Wartenden bis zu einem gewissen Grad geduldet wird. Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Zwei jungen Frauen, die sich gleich bis zur Tür durchkämpfen, schlägt lautstarke Empörung entgegen. Doch es stellt sich heraus, daß es Mitarbeiterinnen der Bank sind, die an ihre Schalter wollen, um uns Bedürftige zu beraten und zu bedienen.

Da das Drängeln – in, wie gesagt, vernünftigen Grenzen – anscheinend sozial akzeptiert ist, mache ich mit und stehe tatsächlich als erstes vor einem der Schalter. Die freundliche Bankangestellte geht auch sogleich nachsehen, ob meine Karte noch da ist, und nach einigen Minuten bangen Wartens taucht sie mit ebendieser wieder auf. Lange war ich nicht mehr so dankbar. Geld abheben kann ich damit immer noch nicht, warum auch immer. (Später, bei der Bank Hapoalim, klappt es hingegen reibungslos.) So wurde also alles gut, und ich fahre beruhigt mit dem Scherut nach Jerusalem.


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7 10 2008
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