Daß der Taxifahrer mich betuppen würde, war mir eigentlich klar, aber ich habe keine Lust zu protestieren, als er, bevor wir vom Ben-Gurion-Flughafen abfahren, das Taxameter ausschaltet. Das ist eben der Tribut, den der Neuankömmling zu entrichten hat, denke ich. Dafür werde ich mit einer Fahrt durch das nächtliche Tel Aviv belohnt und direkt vor der Tür des Hostels in der Hayarkon Street 48 abgesetzt, der Haupthotelstraße gleich am Meer. Auch um zwei Uhr morgens herrscht in Tel Aviv noch die Temperatur einer Sommernacht – kein geringer Unterschied zum herbstlichen Berlin, wo es bereits empfindlich kalt zu werden begann. Der Nachteil: ein bedrohlich wackelnder und bedenkliche Geräusche von sich gebender Deckenventilator etwa 60 Zentimeter über meinem Etagenbett, auf dessen Funktion in meinem kleinen Vierbettzimmer leider nicht verzichtet werden kann. Ebensowenig wie auf die geöffnete Balkontür, denn einer meiner Zimmergenossen hat ganz eindeutig Fußpilz im Endstadium. Aus dem Hostel-Alter, das merke ich, komme ich allmählich heraus.
Nach dem small continental breakfast, das wirklich sehr small und continental ist (Toast, Margarine, zuckersüße Marmelade einer undefinierbaren Sorte), genieße ich den folgenden Tag dann allerdings sehr. 30 Grad, es kann gebadet werden. Ich entdecke ein kleines Eckcafé mit W-LAN – knorke, fast wie in Berlin -, in dem ich ein Ricottasandwich zu mir nehme (bei der Hitze nur Leichtes) und die Liebsten im fernen Deutschland per E-Mail von meiner Ankunft unterrichte. Auf dem Platz neben mir hat es sich eine Katze gemütlich gemacht. Überhaupt die Katzen – sie scheinen die eigentlichen Beherrscher der Stadt zu sein. Vor einigen Jahren, so höre ich, gab es in Tel Aviv eine Rattenplage, so daß die Stadtverwaltung beschloß, Katzen auszusetzen, um der Ratten Herr zu werden. Mit Erfolg. Die Ratten sind weg, gibt es jetzt eben eine Katzenplage. Was vom ästhetischen Standpunkt natürlich ein Fortschritt ist.
Am Abend holt mich Antje vom Hostel ab. Mit ihrem Troß – Fridi, Lior, Alexis sowie Ash und Sash – ziehen wir Richtung Cosa-Nostra-Bar. Unterwegs erfahren wir auch, warum die Hayarkon-Straße vor dem Hostel unter Wasser steht, obwohl es gar nicht geregnet hat (das hätte ich nun wirklich mitbekommen): In einer Nebenstraße ist ein Rohr geplatzt, und eine Wasserfontäne steigt in die Luft. Das hat allerdings auch was Erfrischendes.
In der Cosa-Nostra-Bar stößt noch Arkadi zu uns, obwohl Antje sich kurz zuvor heftig mit ihm gestritten hatte. In einer der unvermeidlichen Diskussionen über Politik habe er gesagt, das Attentat vom 11. September sei „sort of cool“ gewesen. „Diese linken Israelis“, seufzt Antje. Und wie schade es sei, daß gerade die Leute, mit denen man auf persönlicher Ebene am besten klarkomme, oft solche durchgeknallten Positionen vertreten.
Mir ist an dem Abend nicht nach politischen Diskussionen, ich habe nur Augen für Ash und Sash. Nach einigen Goldstar geht es weiter ins Riff Raff, einen vornehmlich von Linken besuchten Club, der in Größe und Ausstattung ein wenig wie der frühere Club der polnischen Versager in der Berliner Torstraße aussieht, Kenner werden sich erinnern. Gespielt wird an diesem Abend der übelste Eurodance aus den frühen Neunzigern, mit anderen Worten: Es wird eine richtig gute Party. Auch wenn Ash und Sash zu meinem Leidwesen beschließen, früh die Location zu wechseln. Sei’s drum, ich tanze bis sechs Uhr morgens, dann muß ich aber wirklich ins Bett, schließlich will ich mir am nächsten Tag Jaffa ansehen.



[...] besseres zu tun – nämlich, mir Israel anzusehen. Wer wissen möchte, wie es mir dort ergeht, kann hier weiterlesen. Veröffentlicht [...]
Und wo bleiben jetzt die Fotos von Ash und Sash? Ist das Handy ins Bier gefallen?
Dachte ich mir, daß Dich das am meisten interessieren würde.